Gute Gründe für ein Tierheim in Potsdam
Oberbürgermeister Jann Jakobs soll am Mittwoch den 18.01.2012 im Hauptausschuss in öffentlicher Sitzung sinngemäß erklärt haben, dass es in Potsdam keine streunenden Hunde und Katzen gäbe, insofern gäbe es gar keinen Grund in der Landeshauptstadt Potsdam ein Tierheim zu errichten. (siehe: http://potsdamer-demokraten.de/cms/zeigeBereich/4/zeigeText/363/18-12-012-hauptausschuss–tierheim–man-kann-sich-nur-wundern-oder-es-wundert-einen-nichts-mehr.html )
Hierzu möchte der Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V. wie folgt Stellung nehmen:
Es gibt viele gute Gründe für ein Tierheim in Potsdam. Hier sechs gute Gründe, die aus Sicht des Tierschutzvereins Potsdam und Umgebung e.V. für ein Tierheim in Potsdam sprechen.
1. Ein Grund – und damit könnte man im Prinzip schon enden – es gibt, wie im ganzen Bundesgebiet, auch in Potsdam Streuner, übrigens mit steigender Tendenz. (Quelle: Resolution des Deutschen Tierschutzbundes vom 02.10.2011. „Der Deutsche Tierschutzbund schätzt, dass es in Deutschland etwa 2 Millionen frei lebende Katzen gibt. Die stetig steigende Anzahl frei lebender Katzen stellt ein enormes Tierschutzproblem dar.“) Würden die Tierschutzvereine nicht versuchen dieses Problem einzudämmen, würden die Kommunen unter der Last wie in anderen Ländern leiden. Darüber hinaus werden Tierheime für Abgabetiere benötigt, die sonst zu Fundtieren werden könnten. Auch damit entlasten die Tierschutzvereine die Kommunen.
2. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Preisleistungsverhältnis. Ein harter Fakt fern aller ideellen Diskussionen ist, dass die derzeit bekannten Kosten, bei weit schlechterer Leistung, höher als vor der Schließung des Tierheims liegen. Der Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V. hat neben der nunmehr angebotenen Leistung noch folgende erbracht:
- Rufbereitschaft,
- Aufnahme und Betreuung von 720 statt 240 Tieren,
- Einfangen flüchtiger Tiere,
- Bergung verletzter Wildtiere,
- Kastration der zur Vermittlung stehenden Tiere,
- Kastration der Straßenkatzen,
- Aufklärungsarbeit,
- Fortbildung,
- Hilfestellung für die Behörden bei Tierschutzfällen,
- Übernahme von eingezogenen Tieren
- u.v.m.
3. Förderung des Ehrenamtes. Potsdam hat den landesweit größten Tierschutzverein, der vor der Schließung des Tierheims der zweitgrößte Verein der Landeshauptstadt war und der sich seit seiner Gründung selbstlos für das Allgemeinwohl eingesetzt hat. Durch gezielte Förderung kann das soziale Angebot aber auch das Freizeitangebot der Stadt wesentlich erweitert werden.
4. Bürgernähe/-wille/-beteiligung. Im Bürgerhaushalt 2012 hat das Thema Tierheim mit 6755 Stimmen mit einem überwältigendem Vorsprung von 2373 Stimmen auf den Zweitplatzierten ganz vorne gelegen. Noch nie hatte ein Thema im Bürgerhaushalt so viele Stimmen auf sich vereinigen können. Der Vorjahressieger hatte 2016 Stimmen.
5. Einhaltung gegebener Versprechen. Der Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V. erinnert daran, dass Herr Jakobs am 28.04.2007 beim Frühlingsfest des Tierheims den Spruch „Potsdam bekommt ein Tierheim“ medienwirksam enthüllte und am 27.10.2010 sagte Herr Jakobs bei PotsdamTV „Ja das klingt ja so als wäre ich derjenige der keins [Tierheim]* will, …. Ich war der einzige der dafür [ein Tierheim in Fahrland]* gestimmt hat“ „Also bei mir rennen die [die ein Tierheim wollen]* alle offenen Türen ein.“ Diese Aussagen stehen in einer langen Reihe von Versprechungen die dem Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V., der sich seit seiner Gründung selbstlos für das Allgemeinwohl eingesetzt hat, in den letzten 20 Jahren von politischer Seite gemacht wurden.
6. Förderung des Tierschutzes. Die Kommunen sind nicht nur zur Fundtierbetreuung verpflichtet. Der Tierschutz hat seit 2002 Verfassungsrang und ist zum Staatsziel erhoben worden. Die Staatszielbestimmung verpflichtet die Staatsgewalten, dem Tierschutz zu einem möglichst hohen Stellenwert in unserem Rechts- und Wertesystem zu verhelfen. Hier sei nur die Heranführung von Kindern an den Tierschutz erwähnt. “Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit” Albert Schweitzer.
Die Mitglieder des Tierschutzvereins Potsdam und Umgebung e.V., die sich nunmehr seit über zwei Jahrzehnten für das Allgemeinwohl in Potsdam eingesetzt haben und sich weiter in der Stadt sozial engagieren möchten, bitten alle Parteien bei der anstehenden Entscheidung zum Grundstück an der Michendorfer Chausssee, sich die erbrachte Leistung des Tierschutzvereins Potsdam und Umgebung e.V. und die zur Zeit unbefriedigende Situation vor Augen zu führen und erinnern daran, dass der Verein bereit ist die Baukosten für das Tierheim selbst zu stemmen.
Der Vorstand

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