Die Stadtverordnetenversammlung beschließt das Interessenbekundungsverfahren
Am 02.05.07 beschloß die Stadtverordnetenversammlung mit einer Stimmenmehrheit aus CDU, DVU, Familienpartei, FDP und SPD den Antrag 07/SVV/ 0023 der CDU ein Interessenbekundungsverfahren zur Betreibung des Potsdamer Tierheims einzuleiten. Zuvor stellte der Antragsteller Herr Heinzel seinen Antrag den Stadtverordneten vor und anschließend redete Vereinsvorsitzender Herr Wanke zu den Stadtverordneten. Zur Rede…
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,Sehr geehrte Herr Oberbürgermeister, Sehr geehrte Damen und Herren,
Anfang 2003 hat die Stadt ihre gesetzliche Pflichtaufgabe der Fundtierbetreuung an den TSV Potsdam übertragen. Der TSV Potsdam gab in den Folgejahren 2003 – 2005 jährlich 360.000 Euro für den Betrieb des Tierheims aus ohne dabei Tonnen von Futterspenden, etliche ehrenamtlich ausgeführter Reparaturarbeiten und viele tausend Stunden zur Tierbetreuung in Rechnung zu stellen. Die Stadt und die Umlandgemeinden zahlten für diese vom TSV erbrachten Leistungen nicht einmal 50% der Nennsumme und das obwohl über 80% der Tiere,Fund- oder Verwahrtiere der Gemeinden sind.
Da wir jährlich unsere Bilanz und auch die Tierzahlen in Form von Statistiken ins Veterinäramt geben, kann dies auch jederzeit überprüft werden.
Da die Tierzahlen in den Jahren 2003 – 2005 aus den Umlandgemeinden rückläufig waren, gingen ihre niedrigen Zahlungen an den Tierschutzverein weiter zurück. Die hierfür verantwortlichen Verträge hatte die Stadt Potsdam ausgehandelt. Auf diese Entwicklung hätten wir, auch wenn wir gewollt hätten, personell nicht reagieren können, weil uns der Betreibervertrag an die Weiterführung aller übernommenen Arbeitsverträge gebunden hat. Eine andere Möglichkeit wären Investitionen gewesen, die aber mit einem jährlich kündbaren Vertrag in der Hand und aus rein wirtschaftlichen Erwägungen nicht in Frage kamen, da der Standort zu keinem Zeitpunkt Zukunft hatte. Wir betreuen Tiere in einem Tierheim, in das die Stadt in 12 Jahren kaum einen Cent in eine Modernisierung investiert hat. Schon zu Zeiten als es noch in der Hand der Stadt war, wurden Investitionen mit den Geldern und den Spenden des TSV Potsdam bewerkstelligt, z. B. der Katzenbungalow und das dazugehörige Außengehege wurde auf diesem Wege geschaffen. Wir halfen Herrn Wenzel, dem städtischen Tierheimleiter aus so mancher finanziellen Klemme und schafften Dinge des täglichen Bedarfs für das Tierheim an. Uns nun schlechtes Wirtschaften vorzuhalten ist eine Verdrehung der Tatsachen.
Die Stadt ist langjähriger Nutznießer unseres Engagements. Sie zahlt an uns keine Zuwendungen, sondern sie bezahlt lediglich die von uns erbrachten Leistungen. Im Gegenteil der Verein schießt größere Summen, zur Populationskontrolle und Gesunderhaltung für die streunenden Katzen der Stadt, zu und musste, um die baulichen Defizite des Tierheims auszugleichen einen Pfleger einstellen.
Derzeit geht es im Tierheim Am Wildpark und bei der Grundstückssuche mit Siebenmeilenstiefeln voran. Der TSV ist hochmotiviert und Willens das Tierheim mit der Stadt auf dem Grundstück in Eiche zu bauen. Die die wissen wollen, ob das Kompetenzzentrum von der Stadt finanziert werden soll, kann ich beruhigen. Nein, das Kompetenzzentrum wird nicht aus städtischen Mitteln finanziert. Unser Wunsch nach einer ausreichend große Fläche für ein Kompetenzzentrum, die wir bereit sind der Stadt abzukaufen, lässt sich aber von dem Tierheim nicht abkoppeln, da hiermit die Zukunft des Tierheims, unter Ausnutzung von Synergieeffekten, gesichert werden soll. Ein Konzept hierzu wurde bereits im Dezember 2003 der Stadt übermittelt. Ich selbst habe im Februar 2007 das überarbeitete Konzept mit einer detailierten Flächenberechnung persönlich in der Stadtverwaltung abgegeben.
Vor vier Tagen haben wir uns über den Besuch des Oberbürgermeister zu unserem Frühlingsfest sehr gefreut und vertrauen nun auf seine Zusage im Hauptausschuss und hoffen, dass die Stadtverwaltung dies schon bald schriftlich fixieren wird. Alle Ampeln stehen meiner Meinung nach auf grün.
In dieser Phase nun, grätscht uns die CDU mit ihrem Antrag von hinten in die Beine. Die Begründungen der CDU zum Antrag sind unzutreffend und wechseln ständig. War es am Anfang noch der Zeitfaktor bei der Grundstückssuche, will man nun Geldsparen.
Günstiger als der TSV Potsdam, kann man dieses marode Tierheim mit seiner völlig unzureichenden, arbeitsintensiven Tierhaltung aufgrund vorgegebener Bauweise, nicht tierschutzgerecht führen. Ein neuer Betreiber, der weniger verlangt, kann nicht den gleichen Qualitätsstandard bieten, den wir mit unseren 1000 Mitgliedern erreicht haben. Er würde die Tiere wahrscheinlich wie Fundsachen, nach dem Motto: Sicher, sauber, satt und still, gerade einmal dem Gesetz entsprechend, verwahren. Tierschutz sieht anders aus. Er wird auch keine Jugendarbeit und Aufklärungsarbeit anbieten. Die Betreuung der streunenden Katzen, Populationskontrolle und Gesunderhaltung, würde wieder an die Stadt zurückfallen.
Sehr geehrte Stadtverordnete, Tierschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben. Eine Landeshauptstadt sollte beweisen, dass Sie mit allen Teilen der Gesellschaft, auch den Tieren, kulturvoll umzugehen weiß.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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